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Georgica Lehrgedicht von Vergil Sprache Beobachten Bearbeiten Die Georgica Neutrum Plural altgriechisch Gedichte vom Landbau sind ein Lehrgedicht in vier Buchern das Publius Vergilius Maro Vergil zwischen 37 und 29 v Chr schrieb Der Beginn des vierten Buches der Georgica in der Handschrift Rom Biblioteca Apostolica Vaticana Vaticanus Palatinus lat 1632 fol 51v 1473 1474 geschrieben Inhaltsverzeichnis 1 Inhalt und Interpretation 1 1 Erstes Buch 1 2 Zweites Buch 1 3 Drittes Buch 1 4 Viertes Buch 2 Vorbilder 3 Soziookonomische Hintergrunde 4 Gliederung der Georgica 5 Poesie in den Georgica 6 Musikalische Bezuge 7 Rezeption 7 1 Literarische Nachwirkung 7 1 1 Antike 7 1 2 Mittelalter 7 1 3 Fruhe Neuzeit 7 1 4 20 Jahrhundert 7 2 Philosophie 7 3 Bildende Kunst 7 4 Musik 7 5 Namensgebung 8 Ausgaben Kommentare und Ubersetzungen 9 Literatur 10 Weblinks 11 AnmerkungenInhalt und Interpretation BearbeitenDas erste Buch der Georgica behandelt hauptsachlich den Ackerbau das zweite den Obst und Weinbau das dritte die Viehzucht und das vierte die Imkerei Zwischen den eigentlichen landwirtschaftlichen Themen werden jedoch zahlreiche Mythen behandelt und poetische Reflexionen eingeflochten Dies verdeutlicht dass Vergil weniger eine sachliche Belehrung anstrebte sondern seine Dichtung einerseits in den Dienst des Augustus stellt um dessen kulturelle renovatio zu unterstutzen So dient die ausfuhrliche und stark idealisierende Schilderung des Bienenstaates als Gleichnis fur dessen Herrschaft Andererseits strebte Vergil schlicht ein poetisches Kunstwerk an Der Begriff Lehrgedicht darf nicht als grob versifiziertes Sachbuch missverstanden werden sondern bezeichnet nach antikem Verstandnis eine eigenstandige Dichtung die genau wie ein Heldenepos der Gotter und Mythen aber auch der Bilder Metaphern und kunstvollen Sprache bedarf Dies gelang Vergil in ausserordentlichem Masse Tatsachlich gelten die Georgica mit Recht als eine der vollendetsten Dichtungen der antiken Literatur Erstes Buch Bearbeiten Einleitung Verse 1 42 Vergil gibt kurz den Inhalt der vier Bucher wieder Er unterlasst einen Musenanruf gemass der Tradition richtet sein Lehrgedicht an Maecenas und betet zu zwolf Gottern Erstens zu Sonne Mond zum Weingott Liber zur Korngottin Ceres sowie zu Faunen und Dryaden Zweitens zum Pferdegott Neptunus sowie zu den Hirtengottern Aristaeus und Pan Drittens zur Olbaumgottin Minerva zum Herrn des Pfluges Triptolemus und zum Herrn der Feldgrenzen Silvanus In der Folge ruft Vergil Augustus an den er als Gottesmensch sieht nicht jedoch als Gott auf Erden Ihm solle vielmehr im Himmel Gottlichkeit zuteilwerden 1 Georgica 1 141 160 im spatantiken Codex Vergilius Augusteus Erster Hauptteil Verse 43 203 uber das Werk des Bauern Vergil fuhrt Arten des Bodens an und beschreibt die Arbeiten des Bauern vor und nach der Aussaat Zuerst geht er auf den unfruchtbaren Boden ein dann auf den erschopften der revitalisiert werden soll Vergil schildert wie der Boden und der Mensch gleichermassen um den Ertrag kampfen Er geht auf die Brache und die Dungung ein schliesslich auf die Bewasserung Er betont den Segen der Arbeit des Bauern die ja gottgewollt ist Nachdem er sich somit uber Feldarbeiten geaussert hat folgt nun eine Darstellung der Ackergerate angefangen beim Pflug und endend bei der Tenne Zuletzt ergeht sich Vergil in Erorterungen uber die Lehren der Alten uber die Tenne zukunftige Ernten und Saatgut 2 Ferner wird in Vers 145 das heutzutage weitverbreitete Motto Labor omnia vincit erwahnt Zweiter Hauptteil uber die landlichen Termine Verse 204 310 Es wird auf die Bedeutung der Sternzeichen fur den Feldbau eingegangen die Wichtigkeit des Arbeitskalenders soll herausgestellt werden Im weiteren Verlauf werden Grundlagen der Astronomie thematisiert Mit der Astronomie kommuniziert die Geographie Durch das Eintreten in die zwolf Zeichen des Himmels wird der landliche Jahresverlauf gesteuert Vergil spricht die Weltzonen an von welchen es funf gibt Diese werden von den Wende und Polarkreisen bestimmt Die scheinbar von der Sonne durchlaufene Bahn am Himmel die Ekliptik fuhrt im Tierkreis schrag durch die heisse Zone und erreicht im Norden mit der gemassigten Zone den Krebs im Suden hingegen den Steinbock Es folgt eine Ausfuhrung uber den Mondkalender wobei er die ordnende Macht Jupiters herausstellt Zuletzt weist er einerseits auf Arbeiten hin die bei Nacht zu erledigen sind andererseits auf solche bei Tage 3 Dritter Hauptteil uber das Wetter Verse 311 463 Zunachst wird auf herbstliches Unwetter eingegangen Dem folgen Ausfuhrungen uber Moglichkeiten des Schutzes gegenuber dem Wetter und das Ceresfest Danach referiert Vergil uber Anzeichen fur schlechtes und fur gutes Wetter Dann werden Wetterzeichen der Sonne und des Mondes besprochen 4 Zweites Buch Bearbeiten Einleitung Verse 1 8 Vergil ruft den Weingott Bacchus an 5 Erster Hauptteil uber den Ursprung und die Pflege der Baume Verse 9 176 Nach Vergil entstehen diese entweder aus dem Stamm oder der Wurzel Baume entstanden durch Ableger oder Pfropfung Maecenas wird angerufen Sodann werden Moglichkeiten der Veredelung angegeben wie Verpflanzung Pfropfen und Okulieren Des Weiteren werden die Arten von Baumen behandelt und auf die Abhangigkeit von Boden und Klima wird hingewiesen Vergil lobt Italien als Land in welchem sich die Ordnung des Goldenen Zeitalters bewahrt habe Diese Ordnung der Natur sei Vorbild fur die gesamte Welt 6 Zweiter Hauptteil uber die Muhsal des Gartners bei der Baumpflege Verse 177 345 Der Teil wird eingeleitet durch einen Abschnitt uber die Arten des Erdreiches Vergil lehrt wie der Boden gepruft wird wie die Pflanzen eingesetzt werden wie wichtig die Tiefe der Pflanzgruben ist und was bei Mischpflanzungen zu beachten ist Der zweite Hauptteil endet mit den Pflanzen des Fruhlings und einem Lob auf jene Jahreszeit 7 Dritter Hauptteil uber die bauerliche Arbeit und ihren Segen Verse 346 540 Hier erzahlt Vergil etwas uber Pflanzenpflege Pflanzenschutz das Bacchusfest und die Weinbauernarbeit die Arbeit mit Oliven und Obstpflanzen und den Nutzen sonstiger Baume Zuletzt besingt er das Landleben an sich 8 Drittes Buch Bearbeiten Einleitung Verse 1 48 Vergil betet Pales und Apollo an und widmet sich an Octavian und Maecenas Vergil will Octavian mit seinem dichterischen Werk gleichsam ein Denkmal setzen so wie auch andere ihn mit einem Tempel ehren 9 Erster Hauptteil uber die Tierzucht und pflege Verse 49 285 Zunachst wird die Zuchtwahl bei Rind angesprochen zunachst bei der Kuh dann beim Stier Auch jene beim Pferd wird diskutiert in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung des Alters des Pferdes und das Pferderennen Sodann geht Vergil auf die Pflege von Grossvieh ein zunachst auf jene der Vater dann auf jene der Muttertiere und schliesslich auf jene der Jungtiere Ebenso wird die Fortpflanzung der Tiere besprochen 10 Zweiter Hauptteil uber Kleintiere und Seuche beim Vieh Verse 286 566 Vergil besingt die Sommerweide das Skythenland und sein Klima sowie seine Tiere und Menschen Als Gegenstuck zu den guten Weiden der Hirten nennt er die Wuste und die nordlichen Lander Dann fuhrt er Vorteile verschiedener Tiere an wie solche des Schafes der Ziege und des Hundes Das dritte Buch endet mit Schilderungen von Tierkrankheiten Das Motiv des Todes beherrscht den Schluss Vergil erzahlt von der Norischen Viehseuche die mit der Rinderseuche und mit Milzbrand verwandt gewesen sein durfte wobei er sich bei ihrer Darstellung an Pestbeschreibungen des Thukydides und des Lukrez orientiert haben soll 11 Viertes Buch Bearbeiten Thema ist die Bienenkunde insbesondere aus der Sicht eines Imkers Vergil schatzt die Bienen weil er ihnen Eigenschaften wie Loyalitat Fleiss und kunstlerische Qualitaten zuschreibt Im Bienenstaat spiegle sich die menschliche Rechtsordnung wider der ja wie der Staat des Menschen auch ein grosses Mass an Organisiertheit besitzt Des Weiteren lobt er den Kampfesmut der Bienen der gemass Vergil an den tapferen Romer erinnere Im Staatswesen der Bienen sieht er ein Vorbild fur den romischen Staat an welches dieser sich durch die augusteischen Staatsreformen angenahert habe Die Bienen sieht der Dichter als Erben des Goldenen Zeitalters 12 Einleitung Verse 1 7 Vergil richtet sich wiederum an Maecenas 13 Erster Hauptteil uber das Leben der Bienen und deren Pflege Verse 8 280 Betont wird die Bedeutung des Standortes des Bienenhauses sowie des Schutzes vor Kalte und Wind In weiterer Folge interessiert Vergil die Lebensweise dieser Tiere wie sie arbeiten und ausschwarmen Die Begegnung verschiedener Schwarme missdeutet Vergil als Kampfe zwischen Bienenvolkern und konigen Er spricht weiters von zwei Bienenarten und widmet einige Verse dem Verfliegen Dann legt er Beschreibungen des Bienenstaates dar er bewundert die Geselligkeit und die Arbeitsteilung von Bienen beobachtet wie sie sich bei Ruhe und bei drohender Gefahr verhalten und sich fortpflanzen Vergil geht auf den seiner Meinung nach stoischen Charakter der Bienen ein Er vergisst auch nicht Ausfuhrungen uber die Honigernte und bespricht Arten von Schadigungen und Krankheiten 14 Zweiter Hauptteil uber Tod und Leben sowie Aristaeus und Orpheus Mythos Verse 281 566 Die Georgica werden hierin durch ein Epyllion gekront Erstmals in der Literaturgeschichte werden die vier Themen Bienenentstehung Aristaeus Proteus und Orpheus miteinander in Zusammenhang gebracht Vergil trug wesentlich zur Reifung des Orpheus Mythos bei Er verschachtelt mehrere Erzahlungen miteinander Sein Epyllion zeichnet sich aus durch Handlungsarmut und Monologe Aristaeus wird prasentiert als egozentrische ehrgeizige und tatige Person Er hat Schuld am ersten Tod der Eurydice und wird sich nach einem Hinweis des Proteus dieser bewusst Nun erkennt er das Unheil welches er angerichtet hat Durch seine Suhnehandlung erneuert er den Frieden mit den Gottern Zwar wird wie im Orpheus Mythos auch hier der Tod nicht besiegt doch steht im Aristaeus Mythos am Schluss die positive Erkenntnis dass Altes vergehen muss damit schliesslich Neues entstehen kann Bei Aristaeus realisiert sich zwar das zerstorerische Potential seiner Leidenschaften so wie bei Orpheus doch lost sich Aristaeus vom blossen Naturwesen indem er mit seiner Suhne einen religiosen Akt setzt Proteus berichtet Aristaeus vom Schicksal von Orpheus und Eurydike und belehrt ihn mit seiner Gerechtigkeitserzahlung in moralischer Hinsicht Aristaeus das Naturwesen tritt in Kontakt mit Orpheus dem Kunstwesen Wahrend Aristaeus eine halbgottliche Erscheinung darstellt ist Orpheus ganz menschlich Proteus ist eine Art mythische Gottheit der Natur Orpheus bekommt im Gegensatz zu Aristaeus nicht die Hilfestellung einer Gottheit Sein anfanglicher Erfolg beruht auf seinen kunstlerischen Fertigkeiten Schliesslich verliert er jedoch das Spiel gegen den Tod Wahrend Orpheus die Wiedererweckung seiner Geliebten misslingt endet der Mythos des Aristaeus damit dass es im Rahmen seiner Suhnehandlung zur Entstehung der Bienen kommt Bugonie Die Bugonie ist gleichsam ein Zeichen fur das Werden das dem Vergehen folgt Im Orpheus Mythos wird hingegen demonstriert dass der Mensch grundsatzlich keine ubermenschliche Hilfe erwarten darf es ihm aber gelingen kann mit seiner Liebe den Tod fast zu uberwinden Zuletzt verhindert freilich gerade diese seine endgultige Uberwindung Damit wird die Ambivalenz der menschlichen Leidenschaftlichkeit gezeigt Orpheus ist mit der Kunst seines Gesanges auch zu fast ubermenschlichen Leistungen fahig Freilich kampft er mit dieser Kunst verzweifelt gegen die Natur an beinahe gelingt ihm das Unmogliche Schliesslich muss aber auch er sich dem unvermeidlichen Schicksal des Todes fugen Die Aristaeus Erzahlung verkorpert Vitalitat den ewigen Kreislauf bei dem eine stetige Erneuerung im Gang ist die Orpheus Erzahlung das einmalige Leben das in diesem Kreislauf sich der Erneuerung nicht entziehen kann und sterben muss 15 Vergil spricht am Anfang dieses Teils von der Entstehung der Bienen aus Tierleichen Auch hierin zeigt sich wie aus Vergangenem Neues sich bilden soll Dann beginnt die Klage des Aristaeus Dieser wird zunachst von seiner Mutter der Nymphe Cyrene aufgenommen Ihr Reich und ihre Rede werden angesprochen Daraufhin sucht Aristaeus das Orakel des Proteus auf Aristaeus fesselt Proteus welcher ihm somit einen Rat geben solle Proteus will das Schuldbewusstsein des Aristaeus starken und erzahlt von der Klage und Bitte des Orpheus an die Eumeniden und vom neuerlichen Verlust der Eurydike sowie der daraus resultierenden Trauer des Orpheus der schliesslich an seinem Gram stirbt Am Ende erteilt Cyrene ihrem Sohn Aristaeus Anweisungen welche Akte der Suhne er zu setzen habe Nach der Errichtung der Altare und dem Totenopfer fur Orpheus entstehen die Bienen aus den Bauchen der Rinder Der Schluss wird abgerundet durch eine Sphragis eine Zusammenfassung des Inhalts aller vier Bucher 16 Vorbilder BearbeitenVergil knupft mit diesem Werk an die lange griechische Tradition des Lehrgedichtes von Hesiod bis Aratos an Beim Lehrgedicht wird stets ein Stoff in gebundener Form dargeboten Zwei Arten des Lehrgedichts sind zu unterscheiden Im alteren hellenischen Lehrgedicht etwa 700 550 wird versucht die Welt und die Natur insgesamt zu deuten Diese Gesamtdeutung steht dabei uber praktischen Ratschlagen aus der Erfahrung Beruhmte Vertreter dieser Art waren zum Beispiel Hesiod und Parmenides Ab dem Ende des vierten Jahrhunderts steht im jungeren hellenistischen Lehrgedicht die Dichtkunst des Poeten im Vordergrund Wesentlich war die Verwandlung des Prosastoffs in ein Kunstwerk Dichter wie Aratos oder Nikander vertraten diesen Typus Die Georgica zeichnen sich dadurch aus dass in ihnen Vergil beide Lehrgedichtsformen zusammenfuhrte Dabei orientierte er sich formal am jungeren Lehrgedicht Indem er aber auch zu Fragen der Lebensbestimmung Stellung nimmt bezieht er auch die altere Art des Lehrgedichts sowie den lateinischen Dichter Lukrez mit ein Dementsprechend mannigfaltig sind die Vorbilder des Vergil Wenn er Aristaeus in den Georgica vor seiner Mutter klagen lasst so mag er von Homer beeinflusst worden sein Aristaeus ist vergleichbar mit Achilleus der auf ahnliche Weise vor Thetis in der Ilias klagt Die Georgica stehen auch unter Einfluss des Hesiod was sich in der Einbringung von Elementen wie Mythen und Aphorismen zeigt Von Hesiod durfte das Motiv der Sinnerfullung stammen die in den Georgica eine ganz zentrale Idee darstellt Auch Aratos durfte als ein Hauptvertreter des alexandrinischen Lehrgedichts ein grosses Vorbild Vergils gewesen sein An Aratos von Soloi mag sich Vergil sowohl bezuglich der kunstlerischen Gestaltung als auch in stoisch religioser Hinsicht orientiert haben Von Nikander von Colophon der ein Werk uber den Landbau namens Georgika geschrieben hat hat Vergil das Thema und den Namen seines Lehrgedichts ubernommen haben Die didaktischen Zuge seines Gedichts leiten sich schliesslich vom hellenistischen Epos ab Obwohl sein direktes Vorbild in der lateinischen Dichtung Lukrez ist wie Vergil selbst durch Textanspielungen deutlich macht strebt Vergil insgesamt eine Lukrez geradezu entgegengesetzte Absicht an Wahrend Lukrez epikureisches Lehrgedicht die vollkommene Materialitat der Welt und damit die Nichtexistenz bzw Irrelevanz der Gotter verkundete ist Vergil zutiefst von einer gottlichen Lenkung der Welt uberzeugt Was jedoch Vergil mit Lukrez teilt ist die Auffassung dass im Kosmos die Natur als schopferische Macht auftritt Wie Lukrez so empfindet auch Vergil eine Zuneigung zur Natur und zur Philosophie und verurteilt jegliche Verschwendung Auch in formaler Hinsicht offenbart sich Vergil in den Georgica als ein Verehrer von Lukrez Das beweisen zahlreiche ubernommene sprachliche Formeln Vergil mochte also wie Lukrez die Geheimnisse der Natur erkunden weiss aber gleichzeitig um die Schwierigkeiten die sich bei der Erforschung der Natur aus der Beschrankung seiner geistigen Fahigkeiten ergeben Doch will er zumindest die Asthetik der Natur erkennen konnen indem er die Welt gestaltet die bei Vergil mit Gottern erfullt ist vgl Zweites Buch Vers 475 ff Mit der Uberzeugung dass die Natur von Gottern getragen ist lehnt er wenngleich er grosse Anerkennung gegenuber diesem empfindet die Ansicht des Lukrez ab Das Element der Gottlichkeit bei gleichzeitiger Verehrung der Natur trug entscheidend zu seiner fur einen heidnischen Dichter ungewohnlich positiven Rezeption durch das Christentum bei in deren Verlauf das Mittelalter Vergil sogar eine anima naturaliter christiana von Natur aus christliche Seele zusprach Freilich spielen auch die praktischen Erfahrungen Vergils bei der Darstellung des Landlebens eine entscheidende Rolle Sicher war er auch mit der griechischen und der romischen Fachliteratur vertraut Vergil ist gewiss auch von der Philosophie Ciceros beeinflusst worden Wenn Vergil schildert wie aus dem Holz von Ulme Linde und Buche ein Pflug hergestellt wird Erstes Buch Vers 169 175 und auf die magische Bedeutung von Monatstagen eingeht Erstes Buch Vers 276 286 bezieht er sich auf Hesiod Bezuge zur Historia animalium des Aristoteles und zur Historia plantarum Theophrasts lassen sich ebenfalls feststellen Auch wusste Vergil vom Oikonomikos Xenophons wovon Servius Kommentar zu 1 43 der Georgica zeugt In der Anfuhrung von Wetterzeichen in den Versen 351 bis 392 zeigt sich der Einfluss des Werkes Diosemeia von Arat Auch das Werk Melitourgika uber den Honig von Nikander und die Gedichte Hermes und Erigone von Eratosthenes hat Vergil in den Georgica wohl rezipiert Weitere Werke von denen sich Vergil bei der Abfassung seines Lehrgedichts inspirieren liess waren Uber den Landbau von Marcus Porcius Cato dem Alteren das Werk des Diophanes von Nikaia Werke uber die Landwirtschaft von Mago die Res rusticae von Marcus Terentius Varro De agricultura und De apibus von Gaius Julius Hyginus und die Thyestes von Lucius Varius Rufus Auch Cicero war ein wichtiges Vorbild fur Vergil So schreibt Cicero in Cato Maior de senectute uber die nutzliche Feldarbeit und die Freude des Landlebens Diesem Werk entnahm Vergil moglicherweise auch die Gliederung der Georgica denn Cato spricht in Ciceros Werk davon dass Saatfelder Weingarten Obstanlagen Rinderzucht und Bienenschwarme das Landleben pragen wie auch Vergil im ersten Buch von Aussaat und Pflugen im zweiten von Weinreben im dritten von der Wartung der Rinder und im vierten von den Bienen erzahlt Cicero hat mindestens genauso wie Ennius oder Lukrez auf Vergil stilistischen Einfluss ausgeubt 17 Soziookonomische Hintergrunde BearbeitenDie Entstehung der Georgica steht auch im Zusammenhang mit der Zuruckdrangung der freien Bauern durch die Expansion des Grossgrundbesitzes im zweiten vorchristlichen Jahrhundert Burgerkriege hatten die Flucht vieler Landbewohner in die Stadte zur Folge Veteranen wurden Landguter zugesprochen die sie nicht zu bewirtschaften wussten wodurch die Ertrage sanken Vergil fordert daher die Erneuerung des Bauerntums in Italien durch eine moralische Trendwende Roms indem er die Wirren der Burgerkriege anklagt schuld am Elend einer verodeten Natur zu sein Er betont die Werte des Friedens Vergil betont Nutzen und Heiligkeit der Natur der Mensch solle ihr mit Frommigkeit begegnen und sie mit Fleiss bewirtschaften Durch Arbeit konne der Verfall der Welt unterbunden werden Es sei der Wille Jupiters den Menschen arbeiten zu sehen der sich dadurch in die Ordnung des Kosmos eingliedern musse Im Zuge dieses Prozesses entstehe Kultur durch Fortschritt Gleichzeitig ist sich Vergil auch dessen bewusst dass Fortschritt den Menschen durch Kriege ins Verderben fuhren kann weshalb er die Arbeit an sich keinesfalls lobt Sie ist nach Vergil vielmehr die Konsequenz aus dem Ubergang zum Eisernen Zeitalter Das italische Landleben in seiner Gesamtheit wird in den Georgica gepriesen Die Landwirtschaft sei wirtschaftliche Basis fur Roms Grosse Tugenden wie Unabhangigkeit Frommigkeit und Bescheidenheit assoziiert Vergil mit der Landlichkeit Im landlichen Leben sieht Vergil die ursprunglichste Lebensform uberhaupt Ihm schwebt dabei ein Arkadien vor das von Freiheit von Frieden gepragt sein soll Er will darin Reste des Goldenen Zeitalters erkennen Der Bauer verwandle eine ursprungliche Natur des Paradieses in eine geordnete Natur der Harmonie Im Landbau resultiere das Wirken Saturns der sich von Jupiter vertrieben noch eine Weile in Italien aufhielt wo er den Reichtum und den Frieden des Goldenen Zeitalters aufrechterhielt Daraus folgt dass sich Vergil in den Georgica ausschliesslich auf die italische Landwirtschaft bezieht Er bestatigt somit Italien als zentrales Land weil alles Grosse Rom entspringe Weil Augustus den Romern wieder eine Identitat verleihen wollte wodurch der Staat saniert werden sollte forderte er das Kleinbauerntum und betonte die wirtschaftliche Bedeutung der Bauern Als es dem Kaiser tatsachlich gelang eine friedliche Ordnung wiederherzustellen sah Vergil in ihm eine gottliche Erscheinung der ein neues Zeitalter eingeleitet habe Wie es die Gottern schon im Anfang getan hatten so begrunde nun auch Augustus das bauerliche Leben neu Vergils Georgica sind definitiv kein Fachbuch auch wenn sie einen profunden Kern fachlichen Wissens enthalten Sie beziehen sich auch nicht nur auf das Landleben sondern ordnen es in einen Gesamtzusammenhang ein der die Bedeutung des menschlichen Lebens verdeutlicht aber auch die Roms fur die ganze Welt Durch die Einbringung von Gottern appelliert Vergil an die damals noch herrschende Frommigkeit der Landbevolkerung und verleiht einerseits mit geographischen Ergussen dem Leben eine Rolle innerhalb der gesamten Welt andererseits den Gottern eine Schlusselrolle dadurch dass diesen nicht lediglich Herrschaft uber die Erde sondern auch himmlische Macht zugesprochen wird Vergil wendet sich im Grossen und Ganzen weniger an die romischen Bauern selbst als vielmehr an die geistige Elite Roms die angewiesen wird sich um das Bauerntum zu sorgen Zweifelsohne wollte Vergil mit den Georgica nicht nur Vergnugen bereiten sondern auch politisch operieren und ein Umdenken in der Gesellschaft bewirken 18 Gliederung der Georgica BearbeitenIn der Form orientiert sich Vergil an Catulls Gedichten und der Epik des Lukrez Er folgt keinem strengen System und meidet Monotonie Keinesfalls geht er planlos vor sein Lehrgedicht ist organisch gewachsen Im ersten Buch folgt die Beschreibung des Feldes den Jahreszeiten und steht im Bild des Burgerkrieges Im zweiten geht es um die Pflege von Weinstocken und Olbaumen wobei das Motiv des Friedens in Erscheinung tritt Im dritten wird die Rinder und Pferdezucht erortert Vergil folgt dem Lebenslauf der Tiere an dessen Ende der Tod steht Im vierten Buch der Bienen bemuht er schliesslich das Motiv von deren Auferstehung bei gleichzeitiger Schwere des menschlichen Schicksals Klar erscheint in der Gliederung die Figur der Antithese Das erste und das dritte Buch weisen umfangreiche Einleitungen auf und enden mit Verderbensszenarien das zweite und das vierte besitzen nur kurze Einleitungen und sind erfreulicher Natur Wahrend die ersten beiden Bucher von unbelebten Objekten handeln stehen in den beiden letzten Buchern die Lebewesen im Mittelpunkt Auch sind noch in anderen Merkmalen strukturelle Gleichheiten erkennbar Das dritte und das vierte Buch gehen gleichermassen auf tierische Leiden ein Im ersten wie auch im vierten Buch werden die Anstrengungen des Bauerntums angefuhrt Wahrend im ersten Buch von Himmelsgeographie die Rede ist wird im dritten Buch auf irdische Geographie eingegangen Sind die ersten beiden Bucher in jeweils drei Teile untergliedert so sind es bei den letzten beiden derer jeweils zwei 19 Poesie in den Georgica BearbeitenVergil wendet die hohe Dichtkunst auf das hellenistische Lehrgedicht an In diesem Prinzip folgt er Lukrez Der lehrhafte Charakter wird vom poetischen uberragt Meisterhaft hat Vergil das poetische Prinzip der Variation umgesetzt Langatmigkeit wurden vermieden die Materie wird von Handlung durchdrungen Objekte erfahren vielfach eine Personifikation indem sie mit Attributen wie Tapferkeit Freude und Neid versehen werden An den Leser wendet sich der Dichter in Befehlsform Hin und wieder wird Vergil sogar ein wenig humorvoll Seine grosste Aufmerksamkeit galt jedoch der Verbindung griechischer Eleganz mit lateinischer Schlichtheit Beispielsweise finden sich Anklange an Homers Ilias Stilmittel wie Enumerationen und schmuckende urbildliche Adjektive stammen von den Alexandrinern Von Ennius ubernahm Vergil altertumliche Ausdrucke von Catull die elegante Sprache und von Lukrez die Frohlichkeit der Lehre Vergils Sprache ist gerne abstrakt wenngleich auch manchmal konkret wo man es nicht erwarten wurde und offen fur Neologismen worin sich das Selbstbewusstsein des Schopfers offenbart Sie macht haufigen Gebrauch von Metaphern Gleichnissen Vergleichen Onomatopoesie und Zeitsprungen Der Hexameter Vergils ist entsprechend der Tradition streng bei gleichzeitiger teilweiser Leichtfussigkeit und majestatisch bei gleichzeitiger Eleganz 20 Musikalische Bezuge BearbeitenAuch aus musikwissenschaftlicher Sicht sind die Georgica interessant handelt es sich doch dabei um ein Hohelied auf das italische Bauerntum Im Werk werden auch zahlreiche musikalische Bezuge hergestellt So wird im ersten Buch auf Weberlieder Vers 293 und Schnittertanze Vers 350 verwiesen Im zweiten Buch ist von etruskischen Blasern Vers 193 von kunstlosen Liedern anlasslich des Bacchusfests Vers 386 ff von Winzerliedern Vers 417 und von Kriegsmusik die das Ende des Zeitalters des Saturnus markiert Vers 539 die Rede Schliesslich hort sich nach dem vierten Buch auch das Brummen von Bienenschwarmen die Vergil als miteinander kampfende Heere deutet nach Kriegsmusik an Vers 71 Durch Zimbeln wurden die Bienen in die richtige Richtung gewiesen werden 64 so wie der Zeusknabe wahrend des Schlagens der Zymbeln von Bienen ernahrt wurde 151 Im zweiten Buch wird im Vers 193 auch auf ein typisch etruskisches Instrument das Blasinstrument Aulos Bezug genommen Sein Rohr soll nach dem Zeugnis Vergils aus Elfenbein hergestellt worden sein 21 Rezeption BearbeitenLiterarische Nachwirkung Bearbeiten Vergils Werk genoss in Mittelalter und Neuzeit durchgehend grosses Ansehen Antike Bearbeiten Die Georgica wurden schon zur Zeit Vergils in der Schule gelesen und im Theater vorgetragen In Pompeji finden sich Zitate daraus als Graffiti Vergils Zeitgenosse Iulius Hyginus gab einen Kommentar zu den Georgica heraus auf welchem die Texterklarung des Marcus Valerius Probus basieren durfte Auch der Kommentar des Servius Teile der Veronenser Scholien die Bernenser Scholien und Anmerkungen zum Werk in den Saturnalien des Macrobius sind uberliefert Arrianos ubersetzte die Georgica ins Griechische Bereits zur Zeit Hadrians konsultierte man das Werk zu Angelegenheiten des Schicksals In spatantiker Zeit wurde er als Polyhistor verehrt im Mittelalter schliesslich wurden ihm Attribute eines Wundertatigen verliehen Wirkungen des Lehrgedichts auf Horaz sind moglich bezuglich Ovid der beispielsweise in seinen Metamorphosen eine Parodie auf Vergils Abschnitt uber die Erlebnisse des Orpheus kreiert gelten sie als gesichert Gleichfalls ist Einfluss von Vergils Georgica auf das Jagdgedicht des Grattius und das Astronomiegedicht des Manilius anzunehmen ebenso auf die Bukoliker Titus Calpurnius Siculus und Marcus Aurelius Nemesianus Zumindest in erster Zeit wurde Vergil hinsichtlich seines Werkes uber den Landbau vermutlich auch als agronomische Autoritat angesehen und von Columella in seinem landwirtschaftlichen Werk zitiert sowie von Plinius dem Alteren in Fragen der Bienenkunde kritisiert In spatantiker Zeit wurden die Georgica etwa von Ambrosius dahingehend interpretiert dass der Aufruf zur Arbeit mit biblischen Inhalten korrespondiere und das Werk an die benediktinische Ordensregel vom Ora et labora erinnere Somit konnten die Georgica Zeiten des Zerfalls dadurch uberbrucken dass sie als christliche Lobpreisung erschienen Sowohl Cassiodorus in den Institutionen als auch Endelechius in De mortibus boum bemuhen Georgica Zitate Mittelalter Bearbeiten Nach der Volkerwanderung besann man sich wieder auf die Werke Vergils Alkuins Gedichte zeigen genauso vergilische Einflusse der Georgica wie auch Walahfrid Strabos Lehrgedicht De cultura hortorum uber den Krautergarten der Reichenau moglicherweise Wandalbert von Prums Gedichte uber die Namen der zwolf Monate ebenfalls Walter von Chatillon der im 12 Jahrhundert lebte und neben Vagantendichtungen mit der Alexandreis ein bedeutendes Alexanderepos verfasste entwarf eine auf 100 Verse verkurzte Nachdichtung der Georgica 22 Es muss allerdings resumiert werden dass wenngleich auch weiterhin gerne Motive der Georgica wie etwa die Verschlechterung des paradiesischen Zustandes zur Zeit des Saturn durch gottliche Einwirkung zitiert wurden die literarische und theologische Wirkung dieses Lehrgedichts von der Aeneis immer mehr uberragt wurde und hinter diesem anderen Werk Vergils zurucktrat Fruhe Neuzeit Bearbeiten Schliesslich zeigt sich auch bei den italienischen Humanisten ein grosses Interesse an den Georgica so bei Dante und Petrarca Poliziano verfasste anhand der Georgica ein Epos namens Rusticus Sannazaro nahm in seinem Werk Arcadia Anleihe an der Aristaeus Episode in den Georgica Giovanni Ruccellai empfand ihnen sein Gedicht Le Api nach Alamanni nahm sich das Lehrgedicht zum Vorbild fur ein eigenes Gedicht uber das Landleben das er La Cultivazione nannte Fracastro nahm in Naugerius Stellung fur Vergils Georgica Titelseite zu Wolf Helmhardt von Hohbergs Georgica curiosa Spater ging der Einfluss des Lehrgedichts auch auf die romanischen Sprachgebiete uber was sich in Spanien in Juan de Menas Laberinto in Frankreich in Ronsards Eklogen und in Rene Rapins Hortorum libri IV sowie in England in Spensers Shepheardes Calender in Swifts den Georgica nachempfundenem A Description of a City Shower und in Miltons Verlorenem Paradies zeigt Personen wie Ben Jonson George Chapman und John Fletcher zeigen sich angetan von den Georgica Joseph Addison schrieb 1693 einen Essay uber das Lehrgedicht in welchem er es als the most complete elaborate and finished piece in all antiquity ruhmte und 1697 bezeichnete der Literaturkritiker John Dryden es als the best poem of the best poet Ebenso lobt es Martin Opitz mehrmals im Buch von der Deutschen Poeterey Johannes Fries der Philologie und Musik in Paris studiert hatte trat als Verfasser einer Reihe von Schulwerken zu den Themengebieten der alten Sprachen und Musik hervor und widmete den Georgica Vergils 1561 seine Annotationes in Vergilii Bucolica et Georgica Im deutschen Sprachraum verfasste der osterreichische Landadlige Wolf Helmhardt von Hohberg 1612 1688 die Georgica curiosa ein enzyklopadisch angelegtes Lehrbuch uber alle Aspekte der Haus und Landwirtschaft nach dem Verstandnis des 17 Jahrhunderts das zu den Hohepunkten der so genannten Hausvaterliteratur gezahlt wird Die Liste der Autoren die von den Georgica beeinflusst wurden liesse sich noch lange fortsetzen Speziell im England des 18 Jahrhunderts erregte die Ubersetzung Drydens grosste Aufmerksamkeit So bezogen John Denham in Cooper s Hill Alexander Pope in Windsor Forest Christopher Smart in The Hop Garden John Philips in Cyder John Gay in Rural Sports William Sommerville in The Chase des Weiteren Walter Savage Landor William Wordsworth George Gordon Byron Alfred Tennyson und Robert Browning Ideen aus Vergils Lehrgedicht Thomsons Werk The Seasons bezieht auch seinen Stoff aus den Georgica Auch in Frankreich erfreuten sich die Georgica im 18 Jahrhundert grosster Beliebtheit Vanieres Praedium rusticum de Rossets Agriculture Delilles L homme des champs und Les quatre saisons von Francois Joachim de Pierre de Bernis zeugen von der Verbreitung von Vergils Werken und der Verehrung die man insbesondere fur sein Lehrgedicht empfand Noch Goethe zitierte in der Italienischen Reise am neunten September 1786 die Georgica und wenn er seine Figur Egmont sagen lasst wie gepeitscht die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksals leichtem Wagen durchgehen so ist Goethe moglicherweise vom Schlussbild des ersten Buches der Georgica dazu angeregt worden Ab der zweiten Halfte des 18 Jahrhunderts wurde Vergil als fuhrender antiker Dichter im deutschen Sprachraum abgelost durch Homer Weiterhin wurden etwa von Lessing die Georgica als das Meisterstuck des Virgil betrachtet doch stand Vergil letztlich im Schatten Homers Im romanischen Sprachraum stand er allerdings weiterhin an der Spitze antiker Dichtung was Charles Augustin Sainte Beuves Etude sur Virgile demonstriert 20 Jahrhundert Bearbeiten Im 20 Jahrhundert erlebten die Georgica durch Studien seitens der Philologen Richard Heinze Erich Burck Friedrich Klingner und Vinzenz Buchheit eine Renaissance Vita Sackville West orientierte sich in The Land am Schreibstil des Lehrgedichts und auch Thomas Stearns Eliot sah in Vergil nicht zuletzt aufgrund der Georgica sein Vorbild was er auch in seinem Essay Was ist ein Klassiker darlegt 23 Philosophie Bearbeiten Im 18 Jahrhundert wurde Homer als schlichter Poet dem erhabenen Stil Vergils entgegengehalten So gewann Homer gegenuber Vergil in den Kritischen Waldern Johann Gottfried Herders und in der Asthetik Georg Wilhelm Friedrich Hegels 24 Gottfried Wilhelm Leibniz nimmt in seinem Werk Die Theodicee im Abschnitt uber die Ubereinstimmung des Glaubens mit der Vernunft auch Bezuge zu Vergils Georgica wobei er ihn aber als Negativbeispiel anfuhrt Er fuhrt die Aussage einiger Aristoteliker an es gebe eine allgemeine Seele welche den Ozean fur alle besonderen Seelen bilde nur diese allgemeine Seele solle als eine selbstandige bestehen wahrend die einzelnen besonderen Seelen entstehen und vergehen Dabei gibt Hegel zu bedenken dass manche sogar glaubten dass Gott diese allgemeine Seele sei Diese Lehre nach deren Ansicht die Seelen der Tiere durch eine gleichsam tropfenweise Absonderung aus diesem Ozean entstehen sobald sie einen Korper treffen den sie beleben konnen und nach der sie bei der Zerstorung des Korpers untergehen indem sie sich wieder mit dem Ozean der Seelen verbinden so wie die Flusse sich im Meere verlieren sieht Hegel in einer Aussage in Vergils Georgica im vierten Buch im Vers 221 angesprochen Denn die Gottheit schreitet durch alle Lander und Meere und den tiefen Himmel Von daher entnimmt ein jedes der Haustiere der Herden der Manner aller Arten der wilden Tiere und jedes Geborene sein schwachliches Leben und wenn sie sich auflosen so muss es dahin zuruckgegeben und zuruckgebracht werden Dazu zitiert Leibniz auch Vers 724 des sechsten Buches der Aeneis 25 Der italienische Dichter und Philosoph Tommaso Campanella nennt in seiner Utopie Der Sonnenstaat ein Buch mit dem Titel Georgica dass den Einwohnern des Sonnenstaates dabei helfen solle die Erde mit grosser Kunstfertigkeit tuchtig zu bearbeiten und gut zu befruchten was ihnen mithilfe geheimer Mittel mit welchen die Keimkraft des Samens beschleunigt und vervielfacht werden konne und andererseits verhindert werden moge dass sie je einmal absterben gelange Gleichzeitig nimmt Campanella auch Bezug auf Ratschlage zur Tierzucht und Tierhaltung in Vergils Bucolica 26 Jean Paul spricht in seiner Vorschule der Asthetik in Bezug auf die Georgica sogar von einer eigenen Wissenschaft die jene unterstutzen wurden wenn er auf die Funktion der Poesie eingeht Die Dichtkunst solle den Menschenverstand und gelehrte Kenntnisse oder ganze Wissenschaften wie die Agronomie in den Georgica in Umlauf bringen ja gerade dadurch desto starker fur das Gedachtnis arbeiten dass sie ihm durch ihre Anmut alles tiefer einprage 27 Bildende Kunst Bearbeiten Aristide Maillol Andre Dunoyer de Segonzac und Richard Seewald schufen im 20 Jahrhundert Bilder zu manchen Themen der Georgica 28 Andre Segonzac ein franzosischer Maler und Graphiker der uber 2000 Radierungen und zahlreiche Buchillustrationen anfertigte und beruhmt durch seine Zeichnungen von Theater und Ballettbesuchen wurde hat 1947 eine grosse Menge an Illustrationen zur Vergils Georgica publiziert 29 Die Vergil Handschriften Insgesamt 24 Vergil Handschriften die zumeist aus dem 4 bis 6 Jahrhundert stammen sind mehr oder weniger vollstandig erhalten Der Vergilius Vaticanus und der Vergilius Romanus zeigen hierbei auch zahlreiche Illustrationen zum Text der Bucolica Georgica sowie der Aeneis und sind von besonderer kunstgeschichtlicher Bedeutung Von ersterer Handschrift sind 50 Miniaturen etwa ein Funftel der ursprunglichen Anzahl erhalten an deren Erarbeitung drei Maler beteiligt gewesen sein durften Von letzterer sind 19 Miniaturen noch vorhanden etwa die Halfte der ursprunglichen Anzahl Die Abbildungen der ersten Handschrift wurden in hellenistischer Tradition gestaltet was sich in der Darstellung der Figuren und in der Einbettung in jener in die umliegende Landschaft und Architektur erweist Der jungere Vergilius Romanus zeigt einen ausgepragten mittelalterlichen Charakter mit Merkmalen wie Auflosung des Raumes Tektonik der Komposition wenig Hauptrichtungen und schmuckende Farben nach Boeckler 1932 Diese Darstellungsweise nimmt Abstand von hellenistischen Gestaltungsinstrumenten und betont den Flachen und Liniencharakter Neben den beiden bereits angefuhrten Handschriften ist noch der Vergilius Augusteus von kunstlerischem Wert aufgrund seines hochwertigen Buchschmucks Die Schriftform des Textes in diesem Manuskript ist jene der Capitalis quadrata Auch aus dem 10 bis 12 Jahrhundert sind auch einige wenige Zeugnisse erhalten in welchen der Text mit Randzeichnungen und dekorativen Initialen geschmuckt wird Insbesondere aus Suditalien Suddeutschland und Osterreich sind noch heute Handschriften aus jener Zeit vorhanden Noch im 14 und 15 Jahrhundert entstanden insbesondere in Frankreich und Italien aufwandige Bildzyklen meist zu den Georgica den Bucolica und zur Aeneis Hier sind die Kodizes aus Lyon Gand und Florenz hervorzuheben 30 Musik Bearbeiten Sehr oft ist der Orpheusmythos Thema abendlandischer Musik The Seasons ein literarisches Werk bei dessen Verfassung sich Thomson in der Thematik an die Jahreszeiten Rhythmik des ersten Buches der Georgica gerichtet hat inspirierte spater Joseph Haydn zur Komposition seines Oratoriums Die Jahreszeiten sodass dieses Musikwerk letztlich vom Geiste vergilischer Poetik getragen ist 24 Im 19 Jahrhundert komponierte der spater ausgezeichnete Pianist und Orchestermeister Gellio Benvenuto Coronaro mit nur dreizehn Jahren ein Musikwerk namens La Georgica 31 Im 20 Jahrhundert komponierten Francesco Malipiero und Jan Novak Stucke zu einzelnen Georgica Themen 28 Malipieri interpretierte mit La terra einer Kantate fur gemischten Chor Klavier und Orchester 1946 das erste Buch der Georgica 32 Jan Novak wollte mit seiner Toccata Georgiana einem Musikwerk dass er 1963 fur die Orgel schrieb in teilweise Opposition treten zum Sozialistischen Realismus der in seiner Heimat der Tschechoslowakei die dominierende Stilrichtung darstellte Weitere klar von der Georgica inspirierte Musikwerke Novaks sind die Tonwerke Concentus Eurydicae fur Gitarre und Streichorchester 1971 und Rustica Musa I und II 1973 1975 fur Klavier sowie die Vokalwerke Dido 1967 eine Kantate fur Mezzosopran Mannerchor und Orchester Mimus magicus 1969 fur Sopran Klarinette und Klavier und IV Fugae Vergilianae 1974 fur gemischten Chor Werner Egk hat in den 1930er Jahren ein Musikwerk mit dem Titel Georgica geschaffen das vier Bauernstucke umfasst und fur Orchester geschaffen wurde 33 Namensgebung Bearbeiten Die Georgica waren Namensgeber der ungarischen Landwirtschaftsschule in Veszprem Georgikon Ausgaben Kommentare und Ubersetzungen BearbeitenOtto Schonberger Hrsg u Ubers P Vergilius Maro Georgica Reclam Stuttgart 1994 Manfred Erren Hrsg P Vergilius Maro Georgica Bd 1 Einleitung Praefatio Text und Ubersetzung Carl Winter Heidelberg 1985 ISBN 3 533 03440 2 Manfred Erren Hrsg P Vergilius Maro Georgica Bd 2 Kommentar Carl Winter Heidelberg 2003 ISBN 3 8253 1386 7 Roger A B Mynors Hrsg Virgil Georgics Clarendon Press Oxford u a 1990 ISBN 0 19 814445 8Literatur BearbeitenMichael von Albrecht Vergil Bucolica Georgica Aeneis Eine Einfuhrung Winter Heidelberg 2007 Robert Cramer Vergils Weltsicht Optimismus und Pessimismus in Vergils Georgica De Gruyter Berlin u a 1998 Friedrich Klingner Virgils Georgica Artemis Zurich u a 1963 Gary B Miles Virgil s Georgics a new interpretation University of California Press Berkeley u a 1980 ISBN 0 520 03789 8 Versuch einer Uebersezzung der Georgik des Virgils Autoren Vergilius Maro Publius C G Lenz Verlag Adler Ort Rostock Jahr 1783Weblinks Bearbeiten Commons Georgics Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Vergils Georgica im lateinischen Original Deutsche Ubersetzung der Georgica von Johann Heinrich Voss Online Bibliographie zu Vergils GeorgicaAnmerkungen Bearbeiten Otto Schonberger Georgica S 145 146 Otto Schonberger Georgica S 147 150 Otto Schonberger Georgica S 150 153 Otto Schonberger Georgica S 153 155 Otto Schonberger Georgica S 156 Otto Schonberger Georgica S 156 159 Otto Schonberger Georgica S 159 161 Otto Schonberger Georgica S 161 164 Otto Schonberger Georgica S 165 167 Otto Schonberger Georgica S 167 170 Otto Schonberger Georgica S 170 173 Otto Schonberger Georgica S 174 175 Otto Schonberger Georgica S 175 Otto Schonberger Georgica S 175 179 Otto Schonberger Georgica S 179 183 Otto Schonberger Georgica S 183 187 Otto Schonberger Georgica S 200 205 Otto Schonberger Georgica S 206 210 Otto Schonberger Georgica S 210 212 Otto Schonberger Georgica S 212 214 Gunther Wille Virgil in Die Musik in Geschichte und Gegenwart Allgemeine Enzyklopadie der Musik Hg Friedrich Blume Kassel 1949 1986 Band 13 S 1812 Jean Maillard Gautier de Chatillon in Die Musik in Geschichte und Gegenwart Allgemeine Enzyklopadie der Musik Hg Friedrich Blume Kassel 1949 1986 Band 16 S 429 Otto Schonberger Georgica S 217 223 a b Otto Schonberger Georgica S 222 Gottfried Wilhelm Leibniz Die Theodicee Ubersetzt von J H von Kirchmann Leipzig Durr 1879 S 40 41 Thomas Campanella Der Sonnenstaat Munchen M Ernst 1900 S 44 45 Jean Paul Werke Hg Norbert Miller und Gustav Lohmann Munchen 1959 1963 Band 5 S 375 376 a b Otto Schonberger Georgica S 223 Segonzac in Lexikon der Kunst Hg Harald Olbrich Leipzig 1987 1994 Band 6 S 586 Andreas Fingernagel Vergil Handschriften in Lexikon der Kunst hrsg Harald Olbrich Leipzig 1987 1994 Band 7 S 592 Sergio Martinotti Coronaro in Die Musik in Geschichte und Gegenwart Allgemeine Enzyklopadie der Musik Hg Friedrich Blume Kassel 1949 1986 Band 15 S 1601 Massimo Mila Malipiero in Die Musik in Geschichte und Gegenwart Allgemeine Enzyklopadie der Musik Hg Friedrich Blume Kassel 1949 1986 Band 8 S 1553 Ottone Tonetti Novak in Die Musik in Geschichte und Gegenwart Allgemeine Enzyklopadie der Musik Hg Friedrich Blume Kassel 1949 1986 Band 16 S 1416Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Georgica amp oldid 211427402, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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