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Volksgerichtshof Sonder und ordentliches Gericht zur Aburteilung von Hoch und Landesverrat gegen den NS Staat Sprache Beobachten Bearbeiten Dieser Artikel behandelt ein deutsches Sondergericht und spateres ordentliches Gericht wahrend der Diktatur des Nationalsozialismus zu anderen Volksgerichten siehe Volksgericht Der Volksgerichtshof VGH wurde am 24 April 1934 als Sondergericht zur Aburteilung von Hoch und Landesverrat gegen den NS Staat in Berlin eingerichtet 1936 wurde der VGH ein ordentliches Gericht Der Sitzungssaal des Berliner Kammergerichts in dem nach dem Attentat vom 20 Juli 1944 der Volksgerichtshof tagte Inhaltsverzeichnis 1 Ideologische Vorgeschichte 2 Grundung 3 Zustandigkeit und Verfahren 4 Propagandafilm Verrater vor dem Volksgerichtshof 5 Aufgabe 6 Prasidenten 7 Der Volksgerichtshof als Instrument des Justizterrors 8 Die 1945 geplante Teil Verlegung nach Bayreuth und das anschliessende Ende 9 Der Volksgerichtshof und die Nachkriegsjustiz 10 Politische Entscheidungen der Nachkriegszeit 11 Opfer des Volksgerichtshofs 12 Siehe auch 13 Literatur 14 Weblinks 15 EinzelnachweiseIdeologische Vorgeschichte BearbeitenDie Schaffung eines Nationalgerichtshofes war eine sehr alte Forderung der NSDAP Schon im Artikel 19 ihres ersten Parteiprogramms vom 24 Februar 1920 forderte sie den Ersatz fur das der materialistischen Weltordnung dienende romische Recht durch ein deutsches Gemein Recht wahrend Artikel 18 gleich anschaulich schilderte wie dieses Recht beispielsweise auszusehen hatte Gemeine Volksverbrecher Wucherer Schieber usw sind mit dem Tode zu bestrafen Konsequenterweise wurde im Verlauf des kurzlebigen Putsches vom November 1923 auch ein Nationaltribunal als Oberster Gerichtshof eingesetzt das ohne Revision nur zwei Urteilsspruche kennen sollte Schuldig bedeutete die Todesstrafe nicht schuldig bedeutete den Freispruch Es war vorgesehen Todesurteile innerhalb von drei Stunden nach dem Urteilsspruch zu vollstrecken 1 Grundung Bearbeiten Eroffnung des Volksgerichtshofs im Gebaude des Preussischen Landtags in Berlin am 14 Juli 1934 durch Reichsjustizminister Franz Gurtner am Rednerpult links Geschaftsfuhrender Prasident Fritz Rehn und Vizeprasident Wilhelm Bruner auf der Empore Dienstbrief des Oberreichsanwaltes beim Volksgerichtshof Prozesse im Gerichtssaal des Berliner Kammergerichts nach dem Attentat vom 20 Juli 1944 Nachdem im Reichstagsbrandprozess vor dem Reichsgericht der mutmassliche Tater Marinus van der Lubbe zwar zum Tode verurteilt drei mitangeklagte Funktionare der Kommunistischen Partei aber freigesprochen worden waren beschloss Adolf Hitler politische Straftaten der unabhangigen Justiz zu entziehen und ordnete die Bildung des von ihm so benannten Volksgerichtshofs an Diese erfolgte durch Artikel III des Gesetzes zur Anderung von Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens vom 24 April 1934 das am 2 Mai des Jahres in Kraft trat 2 Am 14 Juli 1934 fand in der Prinz Albrecht Strasse 5 eine Versammlung hochrangiger Personlichkeiten und NS Funktionare statt auf dieser proklamierte NS Justizminister Franz Gurtner den Volksgerichtshof fur eroffnet 3 Der Volksgerichtshof wurde zunachst als Sondergericht eingerichtet welches am 1 August 1934 in Berlin die Arbeit aufnahm In der ersten Zeit seines Bestehens bemuhten sich hochrangige Regierungsvertreter um die Verlegung von bereits laufenden Gerichtsverfahren gegen Regimegegner an den Volksgerichtshof So soll aufgrund einer personlichen Intervention von Hermann Goring das am Reichsgericht in Leipzig mit der Anklageerhebung eingeleitete Justizverfahren gegen die Anfuhrer der linkssozialistischen Widerstandsgruppe Der Rote Stosstrupp 1934 an den Volksgerichtshof verlegt worden sein Dieses Verfahren war der zweite Prozess des Sondergerichts uberhaupt 4 Mit Gesetz vom 18 April 1936 wurde der Volksgerichtshof in ein so genanntes ordentliches Gericht umgewandelt 5 Nach dem Anschluss Osterreichs an das Deutsche Reich wurde die Zustandigkeit des Volksgerichtshofes am 20 Juni 1938 auch auf Osterreich ausgedehnt 6 Zustandigkeit und Verfahren BearbeitenSeine Aufgabe war zunachst die Aburteilung von Hochverrat und Landesverrat und wurde spater auf weitere Strafvorschriften ausgeweitet Spruchkorper des Gerichts waren bis zu sechs Senate Ein Senat setzte sich aus zwei Berufsrichtern und drei sogenannten ehrenamtlichen Volksrichtern in der Regel Parteifunktionaren Offizieren oder hohen Beamten zusammen Die Richter wurden von Adolf Hitler auf Vorschlag des Justizministers ernannt 7 Als Richter wurde nur berufen wer als zuverlassig im nationalsozialistischen Sinne galt Organisation und Gerichtsverfahren waren unter Missachtung rechtsstaatlicher Grundsatze auf kurze Prozesse ausgerichtet Gegen die Entscheidung des Volksgerichtshofes war kein Rechtsmittel zulassig Art III 5 Abs 2 des Gesetzes vom 24 April 1934 s o Eine freie Wahl des Verteidigers bestand nicht Der Angeklagte musste sich die Person des Verteidigers vom Vorsitzenden des Senats genehmigen lassen Art IV 3 des Gesetzes vom 24 April 1934 Verteidiger und Angeklagter erhielten oft erst einen Tag oder gar wenige Stunden vor der Hauptverhandlung Kenntnis von den Anklagevorwurfen Beide kannten einander bis dahin oft nicht oder konnten keinen Kontakt zueinander aufnehmen Der Verurteilte erhielt in Hoch und Landesverratssachen keine Abschrift des Urteils Er durfte lediglich unter Aufsicht eines Justizbeamten Einsicht nehmen Der Volksgerichtshof tagte zunachst im Gebaude des Preussischen Landtags in der Prinz Albrecht Strasse 5 heute Abgeordnetenhaus von Berlin Von 1935 bis zur Zerstorung am 3 Februar 1945 hatte der Volksgerichtshof seinen Sitz im ehemaligen Wilhelms Gymnasium in der Bellevuestrasse 15 unweit vom Potsdamer Platz Einige Prozesse fanden im Gebaude des Kammergerichts in Berlin Schoneberg statt darunter der Schauprozess am 8 August 1944 gegen Unterstutzer des Attentats vom 20 Juli 1944 Auf Hitlers Befehl hin wurde dieser Prozess gefilmt Daneben zunehmend mit fortschreitendem Kriege urteilte der Volksgerichtshof in verschiedenen Stadten des Deutschen Reiches weniger um es dem Gerichtsprasidenten Roland Freisler zu ermoglichen seine Urteile in besonderer Weise vor der jeweils sorgfaltig ausgewahlten und in grosser Anzahl hergestellten Offentlichkeit zu verkunden sondern aus ganz praktischen Erwagungen Die Zahl der anhangigen Verfahren haufig gegen eine Mehrzahl von fast ausnahmslos inhaftierten Angeklagten gerichtet nahm enorm zu Der Transport der in aller Regel tatort und wohnsitznah beispielsweise in Konzentrationslagern einsitzenden Haftlinge zum Gerichtsort war unerwunscht und hatte vor allem den Volksgerichtshof ebenso logistisch uberfordert wie derjenige der ebenso in aller Regel ortsnah wohnhaften ehrenamtlichen Richter Aus diesem Grunde sprach der Volksgerichtshof insgesamt und nicht nur der 1 Senat unter Freislers Vorsitz zunehmend im Umherziehen Recht Am 1 Januar 1943 hatte der Volksgerichtshof 47 Berufsrichter und 95 ehrenamtliche Richter darunter 30 Offiziere vier Polizeioffiziere und 48 SA SS NSKK und HJ Fuhrer 1944 war die Zahl der ehrenamtlichen Beisitzer auf 173 gestiegen Am VGH waren 179 Staatsanwalte tatig Propagandafilm Verrater vor dem Volksgerichtshof Bearbeiten Der Volksgerichtshof nach dem 20 Juli 1944 Die mittlere Fahne hatte rechts im Hakenkreuz eine Offnung zum Filmen der Angeklagten Auch auf diesem Bild zeigt sich eine dunkle Stelle am Hakenkreuzrand 8 9 Nach dem Umsturzversuch des militarischen Widerstandes vom 20 Juli 1944 wurden mehrere Prozesse gegen die dem Verschworerkreis zugerechneten Widerstandskampfer im Verhandlungssaal des Preussischen Kammergerichts mit verborgenen Kameras gefilmt Die ebenfalls erstellten Tonmitschnitte wurden aber als filmtechnisch unzureichend beurteilt weil der Gerichtsvorsitzende Freisler oft bei der Verhandlung schrie Den Ausgleich zwischen seiner Stimme und den verhaltnismassig leisen Antworten der Angeklagten konnte oder wollte niemand herstellen Neben den Filmaufnahmen wurden auch umfangreiche stenographische Aufzeichnungen erstellt Nach Kriegsende 1945 wurde kontrovers diskutiert ob das Urteil gegen die Widerstandskampfer bereits vor der Hauptverhandlung festgestanden habe Angesichts der im Film nachvollziehbaren und von vielen Zeugen beschriebenen Verhandlungsfuhrung Freislers muss aber davon ausgegangen werden dass die Verurteilungen bereits im Vorfeld als Zielsetzung festgelegt worden waren Der Film mit den Aufnahmen von 1944 wurde erstmals 1979 offentlich aufgefuhrt Eine zuvor immer wieder behauptete Unabhangigkeit des Volksgerichtshofs wurde damit auch fur eine breitere Offentlichkeit widerlegt Dass die Urteile gegen die Widerstandskampfer des 20 Juli bereits vor Verhandlungsbeginn weitestgehend feststanden legt die Entstehungsgeschichte dieser Filmaufnahmen nahe Angedacht war den Film nach seiner Fertigstellung unter dem Titel Verrater vor dem Volksgerichtshof moglichst landesweit in Kinos aufzufuhren Das Filmmaterial sollte fur die Deutsche Wochenschau und in Dokumentarfilmen aufbereitet werden Das Propagandamaterial sollte zur Abschreckung dienen und die Opposition gegen Hitler durch Vorfuhrung eines mit Scheinlegalitat ausgestatteten Verfahrens gleichsam moralisch vernichten Der unwillentlich farcenhafte Auftritt Freislers durchkreuzte dies aber schon von vornherein In den Augen der Offentlichkeit hatte eine derartige Szenerie keinen unparteiischen Eindruck hinterlassen Der Vorsitzende hatte mit psychopathisch autoritarer Verhandlungsfuhrung den Angeklagten keinerlei Gelegenheit zur Verteidigung gegeben und seine auf Vernichtung angelegten Vorhalte an die Angeklagten liessen keinen Zweifel an der bereits feststehenden Absicht der Verhangung von Todesstrafen Zudem traten die Angeklagten trotz aller Demutigungsversuche in gewissenhafter Haltung auf vertraten konsequent ihre meist christlichen Motive und sprachen Verbrechen des NS Regimes wie Massenmorde teils offen an Daher wurde das Filmmaterial anders als ursprunglich vorgesehen umgehend zur Geheimen Reichssache erklart und gelangte im NS Staat nur in kleinen vertraulichen Kreisen zur Auffuhrung 10 11 12 Aufgabe Bearbeiten Amtseinfuhrung von Roland Freisler links durch Amtsvorganger und Reichsjustizminister Otto Georg Thierack Otto Georg Thierack seit 1942 Reichsminister der Justiz und dritter Prasident des Volksgerichtshofs bescheinigte diesem eine volkshygienische Aufgabe es sollte die Seuchengefahr die von den Angeklagten ausging bekampfen Am 5 Januar 1943 bei der Einfuhrung des neuen Oberlandesgerichtsprasidenten in Stettin erlauterte Thierack sie im typisch nationalsozialistischen Vokabular dass es darauf ankomme den gesunden Korper unseres Volkes unter allen Umstanden unversehrt und kraftig zu erhalten Prasidenten BearbeitenPrasident Von BisFritz Rehn geschaftsfuhrend 0 1 Juli 1934 18 September 1934Wilhelm Bruner geschaftsfuhrend 19 September 1934 30 April 1936Otto Georg Thierack 0 1 Mai 1936 19 August 1942Roland Freisler 20 August 1942 0 3 Februar 1945Wilhelm Crohne geschaftsfuhrend 0 4 Februar 1945 11 Marz 1945Harry Haffner 12 Marz 1945 24 April 1945Der Volksgerichtshof als Instrument des Justizterrors BearbeitenDie Zahl der Todesurteile stieg mit Kriegsbeginn 1939 sprunghaft an 1936 ergingen elf Todesurteile 1943 waren es 1662 etwa die Halfte der uberhaupt vor dem Volksgerichtshof angeklagten Personen Bis 1945 wurden rund 5200 Todesurteile vollstreckt Fur eine Verurteilung genugten Vergehen wie gegen die Verordnung uber ausserordentliche Rundfunkmassnahmen also die Verbreitung von Nachrichten abgehorter Feindsender abwertende Bemerkungen uber den Fuhrer Hitler oder Zweifel am sogenannten Endsieg Im August 1942 wurde Roland Freisler Prasident des Volksgerichtshofs Er fuhrte seine Verhandlungen mit besonderem Fanatismus und demutigte die Angeklagten in besonderem Masse Sein Senat verhangte besonders oft Todesurteile uber 5 200 Freisler zahlte den Volksgerichtshof zu den Panzertruppen der Rechtspflege 13 Das Gebaude Bellevuestrasse 15 wurde bei dem schweren Luftangriff der USAAF vom 3 Februar 1945 zerstort An dem Tag fand die Verhandlung gegen den spateren Richter am Bundesverfassungsgericht Fabian von Schlabrendorff statt Aufgrund des Luftangriffs wurde Freisler auf dem Fluchtweg in den nachsten Luftschutzkeller todlich verletzt Bei seiner Beerdigung gab es nur sehr wenige Kondolierende fur die Ehefrau Der Volksgerichtshof verurteilte unter anderem Mitglieder der Widerstandsgruppen Rote Kapelle Bastlein Jacob Abshagen Gruppe Weisse Rose Edelweisspiraten bzw Kreisauer Kreis der Gruppe Maier Messner Caldonazzi und die Verschworenen des Attentats vom 20 Juli 1944 um Oberst Graf Stauffenberg Die 1945 geplante Teil Verlegung nach Bayreuth und das anschliessende Ende Bearbeiten Justizpalast Bayreuth Bereits seit Herbst 1944 tagte der Volksgerichtshof mehrfach im Saal 100 des Justizpalasts der damaligen Gauhauptstadt des Gaus Bayerische Ostmark Bayreuth Nachdem am 3 Februar 1945 das Gebaude des VGH nach Bombardements zerstort war ordnete Hitler zwei Tage spater an den Volksgerichtshof nach Potsdam auszulagern und die fur Hoch und Landesverrat zustandigen Senate nach Bayreuth zu verlegen Bereits am 6 Februar begann der Abtransport der Haftlinge ab dem Berliner Westhafen zunachst in Kohlenbunkern von Lastkahnen sechs Tage lang bis Coswig Wahrend dieser Fahrt wie auch beim anschliessenden Transport ab dem 11 Februar in vier uberfullten Guterwagen waren die Haftlinge Fliegerangriffen und unmenschlicher Behandlung durch das begleitende Wachpersonal der Gestapo ausgesetzt Mehrere Personen starben am 17 Februar kamen 193 mannliche und 28 weibliche Gefangene in Bayreuth an 14 Im 3 Reisebericht des I Staatsanwalts Gundner an den Reichsjustizminister vom 14 Februar heisst es Die bisher fur die Sondergerichte Bamberg Bayreuth und Wurzburg zustandige Richtstatte in Frankfurt Main ist fur den Gefangenentransport nicht mehr zu erreichen Ich rege an in Bayreuth eine neue Richtstatte zu schaffen Die beabsichtigte Verlegung der beiden Senate und die Errichtung einer Hinrichtungsstatte kam infolge der sich uberschlagenden Kriegsereignisse jedoch nicht mehr zustande Die wegen der naherruckenden Front fur den 14 April angesetzte Erschiessung aller in Bayreuth inhaftierten politischen Gefangenen fand nicht mehr statt da am gleichen Tag amerikanische Soldaten die Stadt erreichten 14 Die Gefangenen des Zuchthauses darunter der spatere Bundestagsprasident Eugen Gerstenmaier wurden an jenem Vormittag von ihrem geflohenen Mithaftling Karl Ruth befreit 15 Der letzte Prasident des Volksgerichtshofes Harry Haffner versuchte schliesslich Ende April 1945 nach der Verlegung der Reichsregierung nach Schleswig Holstein erfolglos noch einmal den Volksgerichtshof in Bad Schwartau wieder neu zu etablieren 16 17 Aber die Regierung Donitz zog schon Anfang Mai vom Suden Schleswig Holsteins weiter nach Flensburg Murwik Der Volksgerichtshof wurde dabei offenbar nicht mit verlegt 18 Die Besetzung Bad Schwartaus durch die englischen Truppen verhinderte daruber hinaus weitere Aktivitaten des Volksgerichtshofs 16 Am 20 Oktober 1945 loste der Alliierte Kontrollrat mit der Proklamation Nr 3 den Volksgerichtshof endgultig auf 16 Der Volksgerichtshof und die Nachkriegsjustiz Bearbeiten Ruine des Volksgerichtshofs in der Berliner Bellevuestrasse 1951 Gedenktafel am Haus Potsdamer Strasse 186 in Berlin Schoneberg Gedenktafel Bellevuestrasse 3 in Berlin Tiergarten In der Sowjetischen Besatzungszone wurden am 29 Juni 1948 vier ehemalige Richter und Staatsanwalte gerichtlich zu Haftstrafen verurteilt In der DDR wurden funf ehemalige Volksgerichtshofangehorige verurteilt Vier davon 1950 vor dem Landgericht Chemnitz darunter auch ein Todesurteil gegen Wilhelm Klitzke und zuletzt 1982 Erich Geissler 19 Der Bundesgerichtshof billigte 1956 den Angehorigen des Volksgerichtshofs das so genannte Richterprivileg zu wonach keiner wegen Rechtsbeugung oder anderen Delikten verurteilt werden kann wenn er sich an damals geltende Gesetze gehalten hat bzw das Unrecht seines Tuns nicht erkannt hat Zwar gab es gegen Ende der 1960er Jahre mit dem Verfahren gegen Volksgerichtshof Richter Hans Joachim Rehse einen zaghaften Versuch zur strafrechtlichen Aufarbeitung des durch den Volksgerichtshof begangenen Unrechts doch verstarb der Angeklagte vor einem letztinstanzlichen Urteil Die Berliner Staatsanwaltschaft erhob nach Wiederaufnahme der Ermittlungen 1979 am 6 September 1984 Anklage gegen Paul Reimers einen fruheren Beisitzer Freislers im 1 Senat des Volksgerichtshofes wegen vollendeten Mordes in 62 und wegen versuchten Mordes in 35 Fallen Sie stellte im juristischen Ergebnis ihrer Ermittlungen fest dass der Volksgerichtshof jedenfalls seit dem Amtsantritt Freislers im August 1942 nicht mehr als ein ordentliches Gericht sondern nur noch als Scheingericht anzusehen war Noch im selben Jahr vor Eroffnung des Hauptverfahrens beging der 82 jahrige Angeschuldigte Selbstmord Die weiteren Ermittlungsverfahren wurden bis 1991 endgultig eingestellt da kein verhandlungsfahiger Beschuldigter mehr lebte Bis auf Oberreichsanwalt Ernst Lautz der 1947 im Nurnberger Juristenprozess von einem amerikanischen Militargericht zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurde wurde keiner der etwa 570 Richter und Staatsanwalte von der bundesdeutschen Nachkriegsjustiz strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen Viele blieben wahrend der Nachkriegsjahre in Westdeutschland im Richterdienst Hans Dietrich Arndt Senatsprasident beim Oberlandesgericht Koblenz Robert Bandel Oberamtsrichter in Kehl Karl Hermann Bellwinkel Erster Staatsanwalt in Bielefeld Erich Carmine Amtsgerichtsrat in Nurnberg Christian Dede Landgerichtsdirektor in Hannover Johannes Frankenberg Oberamtsrichter in Munnerstadt Andreas Fricke Landgerichtsrat in Braunschweig Wilhelm Grendel Oberlandesgerichtsrat in Celle Wilhelm Hegener Amtsgerichtsrat in Salzkotten Ferdinand Herrnreiter Landgerichtsdirektor in Augsburg Konrad Hoher Staatsanwalt in Koln Rudolf Indra Landgerichtsrat in Giessen Helmut Jaeger Oberlandesgerichtsrat in Munchen Leo Kraemer Oberstaatsanwalt in Koln Hans Werner Lay Oberlandesgerichtsrat in Karlsruhe Heinz Gunter Lell Oberstaatsanwalt Alfred Munich Senatsprasident beim Oberlandesgericht Munchen Paul Reimers Landgerichtsrat in Ravensburg Hans Ulrich von Ruepprecht Oberlandesgerichtsrat in Stuttgart Adolf Schreitmuller Landgerichtsdirektor in Stuttgart Edmund Stark Landgerichtsdirektor in Ravensburg Oberreichsanwalt Lautz wurde nach weniger als vier Jahren begnadigt und in der jungen Bundesrepublik Deutschland mit einer Pension bedacht Die Witwe Freislers erhielt uber Jahrzehnte eine erhohte Altersversorgung Das zustandige Versorgungsamt behauptete ihr im Zweiten Weltkrieg verstorbener Mann hatte in der Bundesrepublik seine Juristenkarriere fortgesetzt Die obigen Falle machen dies tatsachlich glaubhaft Arno von Lenski Kommandeur der 24 Panzerdivision war ehrenamtliches Mitglied des Volksgerichtshofes und spater General der Nationalen Volksarmee der DDR Fur Beihilfe und Denunziation in Zusammenhang mit Verfahren vor dem Volksgerichtshof wurden vier Personen strafrechtlich haftbar gemacht Politische Entscheidungen der Nachkriegszeit BearbeitenIm Anschluss an die letzte Anklageerhebung hatte der Deutsche Bundestag am 25 Januar 1985 in einer politischen juristisch unverbindlichen Entschliessung den Volksgerichtshof einstimmig als Terrorinstrument zur Durchsetzung nationalsozialistischer Willkurherrschaft bewertet und dessen Urteilen jede Rechtswirkung in der Bundesrepublik Deutschland abgesprochen Rechtsverbindlich wurden die Urteile des Volksgerichtshofs und der Sondergerichte erst 1998 durch das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege aufgehoben Opfer des Volksgerichtshofs BearbeitenVon den rund 18 000 Verurteilten des Volksgerichtshofes davon uber 5 000 Todesurteile kann hier nur eine kleine Auswahl gegeben werden Robert Abshagen Walter Arndt Hans Jurgen Graf von Blumenthal Hasso von Boehmer Eugen Bolz Klaus Bonhoeffer Bruno Binnebesel Gustav Dahrendorf Alfred Delp Erich Fellgiebel Eberhard Finckh Maria Fischer Reinhold Frank Eugen Gerstenmaier Carl Friedrich Goerdeler Willi Graf Albrecht von Hagen Nikolaus Christoph von Halem Elise Hampel Otto Hermann Hampel Paul von Hase Robert Havemann Andreas Hermes Erich Hoepner Caesar von Hofacker Andreas Hofer Helmuth Hubener Kurt Huber Marie Luise Jahn Jens Jessen Friedrich Karl Klausing Erich Knauf Karlrobert Kreiten Rudolf Kriss Hermann Lange Julius Leber Georg Lehnig Hans Conrad Leipelt Franz Leuninger Wilhelm Leuschner Hermann Maass Heinrich Maier Max Josef Metzger Helmuth James Graf von Moltke Eduard Muller Thomas Olip Johannes Prassek Christoph Probst Siegfried Radel Adolf Reichwein Fritz Riedel Josef Romer Axel Rudolph Willy Sachse Karl Schapper Alexander Schmorell Hans Scholl Sophie Scholl Friedrich Werner Graf von der Schulenburg Fritz Dietlof von der Schulenburg Eva Schulze Knabe Bernhard Schwentner Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld Werner Seelenbinder Willi Skamira Robert Stamm Berthold Schenk Graf von Stauffenberg Karl Friedrich Stellbrink Hellmuth Stieff Adam von Trott zu Solz Robert Uhrig Joseph Wirmer Eleonore Wolf Johannes Wusten Peter Graf Yorck von Wartenburg Erwin von Witzleben Ende 1942 wurden die Mitglieder der judischen Widerstandsgruppe Baum vom Volksgerichtshof abgeurteilt wobei bei insgesamt 27 Angeklagten 21 Todesurteile ergingen Siehe auch BearbeitenFurchtbare Juristen Ungesuhnte Nazijustiz Aufhebung von NS Unrechtsurteilen NS Prozesse Liste der Richter am VolksgerichtshofLiteratur BearbeitenWolfgang Form Wolfgang Neugebauer Theo Schiller Hrsg NS Justiz und politische Verfolgung in Osterreich 1938 1945 Analysen zu den Verfahren vor dem Volksgerichtshof und dem Oberlandesgericht Wien K G Saur Verlag Munchen 2006 ISBN 978 3 11 095208 7 Jorg Friedrich Freispruch fur die Nazi Justiz Die Urteile gegen NS Richter seit 1948 Eine Dokumentation Ullstein uberarbeitete und erganzte Ausgabe Berlin 1998 ISBN 3 548 26532 4 Holger Grimm Edmund Lauf Die Abgeurteilten des Volksgerichtshofs Eine Analyse der sozialen Merkmale In Historical Social Research Historische Sozialforschung HSR 19 1994 Nr 2 Volltext online auf SSOAR PDF 968 kB Bernhard Jahntz Volker Kahne Der Volksgerichtshof Darstellung der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin gegen ehemalige Richter und Staatsanwalte am Volksgerichtshof 3 Auflage Senatsverwaltung fur Justiz Hrsg Berlin 1992 DNB 930310764 Hannsjoachim W Koch Volksgerichtshof Politische Justiz im 3 Reich Universitas Munchen 1988 ISBN 3 8004 1152 0 Rolf Lamprecht Die Gewalttater in den roten Roben In Der Spiegel Nr 44 1986 S 35 37 online Klaus Marxen Das Volk und sein Gerichtshof eine Studie zum nationalsozialistischen Volksgerichtshof Klostermann Frankfurt am Main 1994 ISBN 3 465 02644 6 Juristische Abhandlungen Band 25 Klaus Marxen Holger Schluter Terror und Normalitat Urteile des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs 1934 1945 Eine Dokumentation Juristische Zeitgeschichte NRW Bd 13 2004 ISSN 1615 5718 Isabel Richter Hochverratsprozesse als Herrschaftspraxis im Nationalsozialismus Manner und Frauen vor dem Volksgerichtshof 1934 1939 Munster 2001 Arnim Ramm Der 20 Juli vor dem Volksgerichtshof Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2007 ISBN 978 3 86573 264 4 Hinrich Ruping Streng aber gerecht Schutz der Staatssicherheit durch den Volksgerichtshof In Juristenzeitung 1984 S 815 821 Holger Schluter Die Urteilspraxis des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs Duncker amp Humblot Berlin 1995 ISBN 3 428 08283 4 Sehr verlockend In Der Spiegel Nr 5 1980 online Walter Wagner Der Volksgerichtshof im nationalsozialistischen Staat Oldenbourg Munchen 1974 ISBN 3 486 54491 8 Gunther Wieland Das war der Volksgerichtshof Ermittlungen Fakten Dokumente Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik Berlin 1989 ISBN 3 329 00483 5 Justiz und Nationalsozialismus Katalog zur Ausstellung des Bundesministers der Justiz 1989 ISBN 3 8046 8731 8 S 151 162 Weblinks Bearbeiten Commons Volksgerichtshof Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Wiktionary Volksgerichtshof Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Wikisource Gesetz zur Anderung von Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens Artikel III Volksgerichtshof Quellen und Volltexte Klaus Marxen Terror und Normalitat Der Volksgerichtshof in zeitgeschichtlicher Perspektive Humboldt Forum Recht Klaus Marxen Ein Fuhrerwitz genugte zur Hinrichtung Legal Tribune Online LTO vom 28 April 2018 Gunter Platzdasch Nazi Justiz Korrekturen am Bild des Volksgerichtshofs in LinksNet de April 2004 Internetseite des Deutschen Historischen Museums mit Video Rocco Rabiger Die Geschichte des Volksgerichtshofes Recht ist was dem Volke nutzt Unterseite einer Dokumentation uber Roland Freisler bei Freimut Koster abgerufen am 5 Januar 2014 Jochen Philipp Ziegelmann Vom Koniglichen Friedrich Wilhelm Gymnasium zum Volksgerichtshof bei Potsdamer Platz org abgerufen am 5 Januar 2014Einzelnachweise Bearbeiten Vgl Wieland 1989 S 15 f Gesetz zur Anderung von Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens vom 24 April 1934 RGBl I 1934 S 341 online auf ALEX Historische Rechts und Gesetzestexte Online Vgl Wieland 1989 S 12 Dennis Egginger Gonzalez Der Rote Stosstrupp Eine fruhe linkssozialistische Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus Lukas Verlag Berlin 2018 ISBN 978 3 86732 274 4 S 153 163 ff Gesetz uber den Volksgerichtshof und uber die funfundzwanzigste Anderung des Besoldungsgesetzes vom 18 April 1936 RGBl I 1936 S 369 Verordnung uber die Einfuhrung der Vorschriften uber Hochverrat und Landesverrat im Lande Osterreich vom 20 Juli 1938 RGBl I 1938 S 640 Vgl Wieland 1989 S 13 Fernsehfilm Roland Freisler MDR 2016 Dokumentaraufnahmen und filmische Szenen MDR Zeitreise Roland Freisler Filme zur NS Justiz Verrater vor dem Volksgericht Horst Muhleisen Hellmuth Stieff und der deutsche Widerstand PDF rbbKultur Die Akte Rosenburg Wie die NS Justiz nach 1945 nicht aufgearbeitet wurde 17 Juli 2019 abgerufen am 18 Juli 2019 Min 6 15 a b Helmut Paulus Die schauerlichen Plane der NS Justiz In Heimatkurier das historische Magazin des Nordbayerischen Kuriers Heft 2 2005 S 8 und 9 Werner Meyer Gotterdammerung April 1945 in Bayreuth R S Schulz Percha am Starnberger See 1975 S 133 a b c Friedrich Wilhelm von Hase Hrsg Hitlers Rache Das Stauffenberg Attentat und seine Folgen fur die Familien der Verschworer Holzgerlingen 2014 Abschn 2 5 3 Das Ende des Volksgerichtshofs Edmund Lauf Der Volksgerichtshof und sein Beobachter Bedingungen und Funktionen der Gerichtsberichterstattung im Nationalsozialismus Wiesbaden 1994 S 19 Das braune Schleswig Holstein Die Zeit vom 6 Dezember 1989 abgerufen am 19 April 2018 Vgl Wieland 1989 S 129 Normdaten Korperschaft GND 2054294 X OGND AKS VIAF 154268092Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Volksgerichtshof amp oldid 214001517, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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